Made in Germany"Made in Germany"Made in Germany

Der ein oder andere Sammler, der schon einmal ein altes Wiking-Modell im Ausland gekauft oder bestellt hat, hat eventuell bei seinem Modell einen kleinen runden Aufkleber entdeckt, der die Aufschrift "Made in Germany" oder auch "Made in West Germany" trägt. Ein Beispiel eines solchen Aufklebers zeigt das Foto rechts, angebracht auf der Bodenplatte eines Mercedes-Benz 220 Brandmeister von 1964. Aufkleber an MB 220
Vielfach scheitert der Versuch, einen solchen Aufkleber zu entfernen, denn der verwendete Klebstoff zeigt sich auch nach vierzig Jahren ausgesprochen haltbar, und wie das oben stehende Foto zeigt, wurde er nicht gerade sparsam verwendet. In diesem Falle mag man sich trösten mit dem Gedanken, dass Wiking recht daran getan habe, auf deutsche Wertarbeit hinzuweisen und so die Qualität seiner Modelle hervorzuheben.

Doch halt - der Reihe nach, lassen Sie uns lieber einmal die historischen Fakten unter die Lupe nehmen:

Vor über 100 Jahren wurde der Begriff "Made in Germany" mit dem Merchandise Marks Act von 1887 eingeführt - nicht als Qualitätssymbol, sondern um britische Waren vor der als minderwertig geltenden Konkurrenz aus Deutschland zu schützen. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestanden vor allem die Amerikaner darauf, dass jedes aus Deutschland importierte Produkt diese Kennzeichnung erhielt, sollte doch der amerikanische Verbraucher wissen, dass er soeben im Begriff war, ein Produkt aus Feindesland zu erstehen. Ebenso verhielt es sich - nebenbei bemerkt - mit dem Begriff "Made in Japan". Wer konnte damals schon ahnen, dass sich aus dem als Diskriminierung gemeinten Begriff ein Zeichen für Qualität entwickeln würde.

Somit wird klar, dass die genannten Aufkleber keineswegs aus Stolz auf die qualitativ hohen Produkte, sondern - neutral gesprochen - aus politischen Gründen und nicht ganz freiwillig aufgeklebt wurden, wenn ein Modell in den Export ging. Natürlich betraf dies nur diejenigen Modelle, die die Herkunftsbezeichnung nicht schon in der Bodenplatte eingepägt hatten, dies waren zur damaligen Zeit jedoch nicht viele Modelle.
Gut platziert!Wo bringt man nun bei einem Modell im Maßstab 1:90 einen Aufkleber von gut einem Zentimeter Durchmesser an? Diese Frage stellt einen Modellautohersteller durchaus vor Probleme. Wo stört er nicht übermäßig, außer vielleicht auf der Bodenplatte? Aber: Verdeckt der Hersteller damit auf der Bodenplatte nicht eventuell sein eigenes Warenzeichen? Sicherlich eine der sinnvollsten Stellen zur Anbringung eines Aufklebers sieht man auf dem Foto links. Wer immer dies zu verantworten hat, er hatte wenig übrig für die Sammler der späteren Jahrzehnte.
Wenn also solch ein schlecht oder vielleicht auch gar nicht zu entfernender Aufkleber auftaucht, sollten wir uns nicht darüber ärgern - es sei denn, er wäre mitten auf die Frontscheibe gepappt. Denken wir einfach nur daran, dass der Mantel der Geschichte eben dieses alte Modell gestreift hat und es daher - zumindest ideell - nur noch wertvoller geworden ist. Wieder ein Argument für das Sammeln der alten Modelle ...


ã 2004 Wikingmania - Michael Broer